Montage Fassade und Anja Pangerl

Heutzutage ist ein Möbelhaus ein Ort, der mit einer hohen Aufenthalts-
Qualität versehen werden muss.

Das neue Rieger Erlebnis-Möbelhaus in Heilbronn wird ein Meilenstein für die Branche werden und neue Standards setzen. Architektur, Innenarchitektur sowie Corporate Design und das Leitsystem stammen von blocher partners aus Stuttgart. Das Planungsbüro hat bereits andere Standorte für Rieger entwickelt, darunter das Haus in Esslingen vor zehn Jahren. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass blocher partners in diesem Bereich eines der erfahrensten und renommiertesten Architekturbüros ist. Wir fragen Anja Pangerl, die das Projekt Rieger in Heilbronn betreut, was sie uns zu dem Haus sagen kann.

Frage: Das Erste, was einem am neuen Rieger Haus auffällt, ist die spektakuläre Fassade. Sprechen wir zuerst über den ungewöhnlichen „ersten Eindruck“. Welche Vorbilder aus der Natur hatten Sie für diese organische Form im Kopf?

A. P.: Ich habe gerade die Fassade live auf der Baustelle erlebt. Der Eindruck und die Wirkung ist tatsächlich so, wie wir es uns in der Planung erhofft haben. Die einzelnen Schindeln vermitteln unsere Idee der sich auflösenden und mit der Umgebung verschmelzenden Fassade unglaublich gut. Wir hatten den Wunsch, eine organische, dynamische Formensprache zu entwickeln, die sich bruchlos in die Landschaft einfügt, jedoch keine konkreten Vorbilder aus der Natur.

Frage: Wie sind Sie überhaupt auf diese Schindelform gekommen?

A. P.: Die Immobilie liegt ja direkt am Wasser. Auf dem Wasser entwickelt sich durch die Lichtreflexe ein Glitzern, das wir mit dieser sich nach oben heller werdenden und sich auflösenden Fassade nachempfinden wollten. Zwischen den dunklen finden sich auch immer wieder hellere Schindeln, die unsere Fassade „funkeln“ lassen. Mit den digital berechneten, aber in Handarbeit gefertigten Schindeln aus gefalztem Eloxalblech erscheint das Bauwerk leicht und schwungvoll und weniger massiv trotz des beachtlichen Gebäudevolumens.

 

„Diese Fassade lässt das Haus, das ja über ein beachtliches Gebäudevolumen verfügt, leicht und weniger massiv wirken.“

– Anja Pangerl, Partnerin bei blocher partners

A.P.: Um die Anordnung der Schindeln auszurechnen, haben wir einen eigens entwickelten Algorithmus genutzt. Die Handwerker setzen die Anordnung in einer traditionellen Falztechnik um. Dieses Zusammenspiel von digitaler und analoger Welt ist symbolisch für das gesamte Rieger-Haus.

Frage: Sie bezeichnen das neue Rieger-Projekt als „Möbelhaus 4.0“. Welche Aspekte muss ein „Möbelhaus 4.0“ für Sie erfüllen?

A.P.: Handelshäuser heutzutage müssen auf die massiv geänderten Anforderungen der Gesellschaft reagieren. Das Thema Online-Handel versus stationärer Handel ist ein Thema, das die Branche umtreibt. Ein Möbelhaus ist längst nicht mehr nur ein Showroom für Produkte, sondern ein Ort, der mit einer hohen Aufenthalts-Qualität – bei Rieger würde ich von einer Wohnerlebnis-Qualität sprechen - versehen werden muss. Mit dem Produkt allein ist das heute im Wettbewerb zum Online-Handel kaum mehr zu schaffen. Händler müssen den Kunden einen Grund geben, weshalb sie kommen und verweilen sollen. Es geht immer um Inspiration.

Frage: Was für Auswirkungen hat die Veränderung des Einkaufs-Verhaltens auf das Konzept und die Architektur des Rieger Hauses in Heilbronn?

A.P.: Klar hat der Online-Handel beim Thema Verfügbarkeit einen Vorteil. Umso wichtiger ist es, eine emotionale Alternative zu schaffen, die inspiriert, mitreißt und begeistert. Der stationäre Handel muss seine Kunden stets aufs Neue angenehm überraschen. Ein Möbelhaus benötigt heute einen Regisseur  und eine Bühne für diverse Events, es muss regelmäßig bespielt werden. Das unterstützen wir mit unserer Kreativität. Dem Konzept des digitalen Plankaufs steht im stationären Handel der natürliche, haptische Spontankauf gegenüber. Die Menschen sehnen sich nach Authentizität. Der echten Berührung und der echten Beratung von Mensch zu Mensch.

 

Die Menschen sehnen sich nach Authentizität. Der echten Berührung und der echten Beratung von Mensch zu Mensch.

– Anja Pangerl, Partnerin bei blocher partners

Frage: Zeichnen sich hier besondere Trends ab?

A.P.: Nun, der Trend ist schon da, nämlich aus dem Shopping im stationären Handel ein Erlebnis zu machen. Der Kunde läuft nicht mehr los und hetzt sich ab, um etwas Bestimmtes zu besorgen. Das kann er online schneller und bequemer. Das Bummeln durch ein inspirierendes Handelshaus, wo man sich von einer Abteilung zur nächsten treiben lässt und Ideen aufnimmt, um dann bei einem exzellenten Kaffee und verführerischem Kuchenstück eine Pause zu machen, das hat Konjunktur.

 

Das Bummeln durch ein inspirierendes Handelshaus hat Konjunktur.

– Anja Pangerl, Partnerin bei blocher partners

Frage: Das Thema Nummer Eins ist natürlich die Umwelt und Nachhaltigkeit. Wie finde ich das im Rieger Möbelhaus berücksichtigt?

A.P.: In vielschichtiger Weise! Nachhaltigkeit ist für uns beispielsweise der vernünftige Umgang mit Flächenressourcen. In dieser Beziehung ist das Rieger Haus in Heilbronn vorbildlich. Wir schaffen im
Innenraum Pop-up Flächen, also flexible Plattformen, die mit regionalen, saisonalen oder aktuellen Themen bespielt werden können. Das spart Platz und schont Ressourcen. Abgesehen davon, dass es Leben in die „Bude“ bringt. Das Thema Umwelt spiegelt sich nicht nur in der Energieversorgung – 100 % Wasserkraft und CO2-neutral – oder der Dachbegrünung, sondern vor allem optisch wider in Form von natürlichen Materialien. Die Pop-Up-Stores sind beispielsweise hölzerne Pavillons. Und es gibt „Vertical Gardens“, die eine Nähe zur Natur herstellen.

Vertical Gardens

Das Thema Umwelt spiegelt sich nicht nur in der Energieversorgung – 100% Wasserkraft und CO2-neutral – oder der Dachbegrünung, sondern vor allem optisch wider in Form von natürlichen Materialien.

– Anja Pangerl, Partnerin bei blocher partners

Frage: Kann man heutzutage überhaupt bauen, ohne Umwelt- und Klimaschutz-Aspekte zu berücksichtigen?

A.P.: Diese Frage stellt sich uns nicht: Als Architekten ist es uns in Fleisch und Blut übergegangen, Umwelt- und Klimaschutz-Aspekte zu berücksichtigen.

Frage: In den letzten Jahren wird in der Architektur immer mehr Augenmerk auf die „fünfte Fassade“, also der Gestaltung des Daches, gelegt. Beschreiben Sie doch bitte die Besonderheiten der „fünften Fassade“ beim Rieger Haus.

A.P.: Das Dach ist komplett begrünt, so dass die Dachfläche die durch das Haus versiegelte Bodenfläche komplett kompensiert. Durch die sehr organische Form des Gebäudes verschmelzen alle fünf Fassaden sozusagen ineinander. Dazu kommen die Tageslichtöffnungen im Dach für natürliches Licht im Herzstück des Gebäudes. Das gibt diesem eine ganz besondere Atmosphäre und trägt wesentlich zur Aufenthaltsqualität bei.

Frage: Wieviel Erlebnis kann in einem Möbelhaus stecken?

A.P.: Extrem viel. Im Grunde sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist, dass das Erlebnis nicht nur analog, sondern auch digital gespielt wird. Ich kann Erlebnis beispielsweise durch die Architektur schaffen, die mich anspricht. Ich kann Erlebnisse auch durch außergewöhnliche Serviceleistungen schaffen, wie einen anspruchsvollen Gastronomie-Bereich. Oder über den zwischenmenschlichen Kontakt zwischen Kunden und seinem Kundenberater. Das Erlebnis des Willkommenseins, einer großen Wärme – das wird für viele Kunden eine positive Erfahrung. Mit Herr Rieger lagen wir in allen diesen Fragen hundertprozentig auf einer Wellenlänge. Das hat die Zusammenarbeit so ungewöhnlich angenehm gemacht.

Frage: Das wievielte Möbelhaus ist denn das, was Sie da gebaut haben?

A.P.: (lacht) Um ehrlich zu sein, ich habe nicht gezählt – also wir haben schon einige gebaut!

Frage: Würden Sie sagen, das ist so ziemlich das Ungewöhnlichste, was Sie bis jetzt auf die Beine gestellt haben?

A.P.: Herr Rieger ist ein Bauherr, der uns zu kreativen Höchstleistungen motiviert hat. Er ist dynamisch im Dialog. Er lässt unkonventionelle Ideen zu, hinterfragt sie dann kritisch und bleibt dabei immer konstruktiv. Und deshalb ist Rieger Heilbronn sicherlich eines der ungewöhnlichsten Möbelhäuser geworden, die wir je gebaut haben.

Frage: Was hat Ihnen am meisten Spaß gemacht an der Planung jetzt? Also, wo haben Sie Ihr Herz verloren?

A.P.: Das müssen wir in Zusammenhang mit dem Prozess betrachten. Unser Büro ist bekannt für seine transdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Architektur, Innenarchitektur und Kommunikation, das haben wir im gleichem Stil auf der Baustelle fortgeführt. Auch der Bauherr hat sich als Teammitglied verstanden. Bevor er entschieden hat, hatte er sich alle Meinungen eigenholt und immer den Dialog im Team eingefordert. Dementsprechend positiv sind die Ergebnisse.

Frage: Haben Sie ein bisschen gezittert in Sachen Fassade – ob die so wirkt wie Sie sie geplant haben?

A.P.: Die Fassade war herausfordernd! Das ist ein sehr innovativer Ansatz, für den man erst mal Firmen finden muss, die das auch realisieren können. Es war also extrem spannend, ob die Fassade unsere Erwartungen erfüllen würde.

Frage: Waren Sie erleichtert als sie gesehen haben: „Die sieht ja tatsächlich so aus wie wir sie geplant haben!“?

A.P.: Ich glaube ich bin heute Morgen mit einem seligen Lächeln über die Baustelle gelaufen! (lacht)

Frau Pangerl, vielen Dank für Ihre Zeit.

Illustration Möbelhaus

Bildnachweise:    
MR_Teaser_1351x528_Architekten.png © lawinenstift, blocher&partners
MR_Beitrag_Architekten_1185x666_.jpg © Benno Rieger
MR_Beitrag_Architekten_1185x666_2.jpg © lawinenstift

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